Kirchenfenster

 

Kirchenfenster

Die Reformationsfenster in unserer Kirche
In unserer Singener Kreuzkirche finden sich viele Hinweise auf die Reformation vor 500 Jahren. Die augenfälligsten sind sicherlich die drei Glasfenster im Seitenschiff. Vom Kirchenschiff fällt der Blick jedes Besuchers zunächst auf die Lutherrose, das Wappen von Martin Luther. Blickt man nach links Richtung Friedhofstreppe ist der Genfer Reformator Johannes Calvin zu sehen. Und rechts, Richtung Sakristei ist ein Bildnis von Philipp Melanchthon.
Leider gibt es im Archiv der Kirchengemeinde keinerlei Unterlagen dazu, wann diese Glasfenster entstanden sind, vermutlich um 1920. Die Älteren wissen noch, dass diese Glasfenster schon in der 1939 abgerissenen Kirche waren.
Um herauszufinden, warum diese drei Reformatoren in den Fenstern dargestellt sind, versuche ich mich in die Gedanken derer hineinzuversetzen, die diese Fenster in Auftrag gegeben haben. Singen war lutherisch geprägt. Seit 1821 ist die badische Landeskirche uniert. Das meint: unter dem sanften Druck des Großherzogs haben die beiden bis dahin selbstständigen evangelischen Kirchen in Baden, die lutherische und die reformierte Kirche, sich zu einer Kirche zusammengeschlossen. Eine Besonderheit unserer badischen unierten Kirche ist, dass man sich auf ein gemeinsames Bekenntnis der unterschiedlichen Theologien geeinigt hat. Deshalb gibt es seither einen badischen Katechismus, der dies Bekenntnis, das sich aus calvinistischer wie aus lutherischer Tradition speist, erläutert.
Deshalb sind wohl Johannes Calvin und Martin Luther (bzw. sein Wappen) dargestellt. So blieb noch ein Fenster zu besetzen. Was lag da näher als den aus Bretten stammenden Freund und Begleiter Martin Luthers, Philipp Melanchthon zu nehmen? Und vielleicht war ja auch der Gedanke dabei: zwei lutherische und ein reformierter Theologe, das stellt das Übergewicht des lutherischen Denkens gut dar. Bleibt als letztes die Frage: warum ziert das mittlere Fenster nicht ein Portrait von Luther, sondern sein Wappen, die Lutherrose? Ich vermute, weil in seinem Wappen viel mehr Botschaft liegt als nur in seinem Bildnis.
Pfarrer Rudolf Kaltenbach
 

Kirchenfensterbild Johannes Calvin 

 
Johannes Calvin wurde 1509 in Frankreich in einem katholischen Elternhaus geboren. Sein Vater legte großen Wert auf Bildung und so studierte er in Paris zunächst nach dessen Wunsch Jura. Nach dem Tod des Vaters widmete er sich aber seinem eigentlichen Interesse, den humanistischen Studien. Während dieses Studiums schloss er sich einer Gruppe an, die sich heimlich mit Gedanken Martin Luthers  befasste. Calvin bekannte sich schnell zur Reformation der Kirche und hielt entsprechende Vorträge. Dies war in Frankreich verboten  und zwang ihn schließlich zur Flucht nach Basel, wo er 1536  einen Katechismus für die Evangelischen in Frankreich schrieb. Sein Weg führte ihn als Mitarbeiter der Genfer Kirche nach Genf und 1539 nach Straßburg. Dort traf er Philipp Melanchthon und zwischen ihnen entwickelte sich eine Freundschaft. Schon 1541 kehrte er mit neuen Ideen wieder nach Genf zurück. Er begann mit radikalen Neuerungen in der Kirche. So war er für die Kirche ohne Hierarchie, also neben den Pastoren noch weitere Ämter, wie die Ältesten, Diakone und Lehrer. Im Mittelpunkt seiner Theologie standen die Herrlichkeit Gottes und dessen freies Handeln. Das Schicksal der Menschen war somit von Gott bereits vorbestimmt und nicht durch Handeln der Menschen bestimmbar, womit der Ablasshandel der katholischen Kirche sinnlos war. Er war gegen Interpretationen von Bibeltexten. Nur das reine Wort durfte gepredigt werden. Die Kirche sollte oberste Erzieherin der Gemeinde sein und er war für eine strenge Kirchenzucht. Der Kampf gegen den Sittenverfall und eine gute Armenversorgung war ihm wichtiger als prunkvolle Kirchen. Calvin starb am 27. Mai1564 in Genf.
 

 

Kirchenfensterbild Melanchthon 

 

Philipp Melanchthon wurde 1497 in Bretten geboren. Er studierte in Heidelberg und Tübingen und erhielt 1518 eine Professur für Griechisch in Wittenberg. Dort lernte er Luther kennen und wurde einer seiner wichtigsten Mitstreiter. Er motivierte Luther dazu die Bibel zu übersetzen und war oft als Verhandlungsführer unterwegs.1530 entwarf er das Augsburger Bekenntnis, wobei er Kirche als Versammlung aller Gläubigen und einer Predigt des Evangeliums ohne die typische Praxis und Lehre der römischen Kirche, wie z.B. Heiligenverehrung und Zölibat beschrieb.
Für ihn stand die Verbindung von Bildung und Frömmigkeit immer im Mittelpunkt. Er war Lehrer aus Leidenschaft und hatte großen Einfluss auf das Bildungswesen. Er entwarf neue Schulordnungen und gründete in Nürnberg eine neue Schulform, das erste deutsche Gymnasium.
Melanchthon starb am 19. April 1560 in Wittenberg.
 
Das dritte Reformationsfenster unserer Kirche zeigt nicht Luther, sondern sein Siegel, die Lutherrose, das Symbol der evangelisch-lutherischen Kirchen.

 

Kirchenfensterbild Lutherrose 

 
Das Bild dieser Rose stammt aus dem Fenster des Augustinerklosters in Erfurt, wo Luther es ständig vor Augen hatte. Nach Luthers Erklärung steht das schwarze Kreuz in der Mitte der Rose für den Glauben an Jesus Christus. Das Herz bedeutet, dass man Jesus Christus von Herzen lieben soll. Die weiße Rose symbolisiert Freude, Trost und Friede durch den Glauben. Sie ist weiß, weil dies die Farbe der Geister und der Engel ist.
Das Blau um die Rose steht für himmlische Freude und wird von einem goldenen Ring umschlossen, da Gold das wertvollste Metall ist und auch die Seligkeit im Himmel das Wertvollste ist.
Claudia Schuler